Workshop 2.2: Der lange Arm der Parteien. Eine Analyse des österreichischen Parteiensystems.

Obwohl oder gerade weil uns Politiker_innen von Alternativlosigkeit und Sachzwanglogik erzählen und wir immer mehr zur Überzeugung gelangen, ohnehin nur mehr die Wahl zwischen dem besser oder schlechter verwalteten Elend zu haben, gestalten professionelle Marketingabteilungen jede Wahl und jede Partei zum medialen Spektakel. Während hochdotierte PR-Abteilungen noch überlegen, wie sie „besser kommunizieren“, verkümmert jedoch zusehends das Lebendige in den Parteien. Denn Parteien schaffen es heute immer weniger, gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Konflikte aufzunehmen, auszutragen und auch jenseits des engen Parteiapparats Räume zu schaffen, in denen sich Menschen einbringen können. Die früheren Netzwerke der Großparteien, die in alle Lebensbereiche reichten, greifen nicht mehr – und Neues ist noch kaum geschaffen.

In diesem Workshop setzten wir uns mit der Entwicklung des österreichischen Parteiensystems auseinander. Wir zeichnen die Veränderungen vom einst hyperstabilen Zweiparteienstaat zum nunmehrigen Sechsparteienparlament nach und fragen, welche Funktionen Parteien eigentlich übernehmen können und sollen. Von der „Schattenregierung“ der Sozialpartnerschaft bis zur gegenwärtigen Postdemokratie analysieren wir, was systemimmanent den Rechten zum Aufstieg verhalf und wie wir die Partei als demokratische Organisation neu beleben können.

Tamara Ehs ist Politikwissenschafterin, forscht am Institut für Rechts- und Sozialgeschichte der Universität Salzburg und lehrt an der Universität Wien im Bereich des Lehramtsstudiums Politische Bildung. Ihre Schwerpunkte sind Demokratie(-reform), Verfassung und Recht. Sie engagiert sich bei Mosaik http://mosaik-blog.at/author/tamaraehs und https://aufbruch.or.at. 2015 war sie in der parlamentarischen Enquetekommission zur „Stärkung der Demokratie“ aktiv und begleitet als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats die SPÖ-Programmdiskussion.