Roy de Roy

“Roy de Roy” ist der Mikrokosmos Wiens: Anders, multikulturell und laut!

Sie verstehen Wien als Hauptstadt Osteuropas und bedienen sich dessen musikalischen Reichtums: recyceln Polka wie Punk, vermischen Balkan mit Ska und singen all dies in einer Sprache die nur von 2Mio Menschen gesprochen wird: Slowenisch.
Die Meldezettelwiener, die auf slowenische, portugiesische und unaussprechliche Wurzeln zurückgreifen, fanden sich in einer Stadt wieder, die ihnen tagtäglich Material für ihre Texte auftischt: so singen sie über eine paranoide Gesellschaft, stupiden Nationalismus, eitle Diasporas oder die Geschichtsschreibung am Balkan. Obgleich man die Texte des Quintetts meist nicht versteht, fühlt man, dass ihre Lieder von der Faust oder vom Herzen kommen.

Ihr erstes Album „Bohemian Bolsheviks“ (released @ Klangue Records) ist eine schwarze Auseinandersetzung mit dem sozialen Bewusstsein und der kollektiven Apathie. Mit stets zwinkerndem Auge, einer Stimme wie der heiserne Vorhang, mit der Leichtigkeit eines fliegenden Molotowcoctails und voll von tanzbarer Tragik servieren „Roy de Roy“ eine Melange zwischen Piratenwalzer und Polkapunk!

Wo ihr Vorgängeralbum “Bohemian Bolsheviks” noch hauptsächlich auf den Pfeilern Balkan und Punk aufgebaut war, mischt Roy de Roy auf ihrem neuen Werk “Civil Riots” (released @ LasVegas Records), nun unterschiedliche Musikstile zu einem unverwechselbaren Sound. Klezmer, Swing und Folk werden zu einer Hommage an den mittlerweile überholten Genre-Begriff “World Music” konstruiert. In Genre-Schubladen lassen sich die fünf Musiker aber nur ungern stecken, wenngleich sie ihren Sound mit einem Augenzwinkern “World-Punk” nennen. Punk ist dabei allerdings mehr die Attitüde als der Sound, World eher der Sammelbegriff für ihre unterschiedlichen Einflüsse. Textlich kann “Civil Riots” durchaus als Konzeptalbum verstanden werden, das sich mit dem Wechselverhältnis von Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft in Österreich auseinandersetzt. Dabei scheut die Band auch nicht vor den ganz schwierigen Themen, wie Heimatliebe und Fremdenhass, zurück.