2.2 Die Grünen – Gescheitert am eigenen Anspruch?

Die Grünen gründeten sich mit dem Anspruch, anders zu sein als die etablierten Parteien . Sie wollten sozialen und ökologischen Bewegungen eine Stimme im Parlament geben. Sie setzten sich aus Vertreter*innen der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Frauenbewegung und vieler anderer zivilgesellschaftlicher Initiativen zusammen. Sie sprachen Themen an, die bis dahin kaum behandelt wurden. Mit basisdemokratischen Regelungen, wie zum Beispiel dem Rotationsprinzip, wollten sie allen eine Stimme geben und verhindern, dass für ihre Abgeordneten Machterhalt im Vordergrund steht.

 

Doch werden die Grünen diesen Idealen gerecht oder sind sie an ihrem eigenen Anspruch gescheitert? Heute unterscheiden sich die Grünen kaum von den anderen etablierten Parteien, die sie einst kritisiert haben. Statt viele Leute einzubinden und politische Mitbestimmung zu ermöglichen, werden Entscheidungen oft autoritär von der Spitze getroffen, statt von einer breiten Basis.

In diesem Workshop wollen wir uns mit den Grünen, ihrer Geschichte und ihren Zielen der auseinander setzen. Wir wollen versuchen herauszufinden, was die  Logiken sind, denen die Partei in ihrer Entwicklung gefolgt ist. Sind die Grünen noch zu retten? Was heißt ihr aktuelles Scheitern für das politische System? Und welchen Einfluss hat es auf die momentanen Kämpfe der Linken?

 

Tobias Schweiger

Tobias Schweiger ist Gründungsmitglied und war von 2010 bis 2012 Bundessprecher der Jungen Grünen. Heute studiert er in Bremen und Oldenburg Politikwissenschaft und Philosophie. Er gibt wöchentlich Kurse zu den verschiedenen Bänden des Kapital von Karl Marx und dessen Kapitalismuskritik.